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Biogas- und Ökogastarife verstehen

Ratgeber · Redaktion · veröffentlicht am 26.10.2026 · aktualisiert am 07.10.2026

Biogas- und Ökogastarife verstehen

Biogas und Ökogas klingen ähnlich, meinen aber oft sehr Unterschiedliches. Während Biomethan tatsächlich aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird, beruhen viele Ökogastarife auf einer Kompensation von Emissionen. Wer die Begriffe auseinanderhält, kann bewusster wählen.

Was Biogas und Biomethan sind

Biogas entsteht, wenn organisches Material wie Gülle, Bioabfälle, Klärschlamm oder Energiepflanzen unter Luftabschluss vergärt. Das Rohgas enthält neben Methan vor allem Kohlendioxid und Spurenstoffe. Damit es ins Erdgasnetz eingespeist werden kann, muss es zu Biomethan aufbereitet werden, das in seiner Qualität Erdgas entspricht.

Biomethan lässt sich wie Erdgas transportieren und in gewöhnlichen Gasheizungen nutzen. Du musst an deiner Anlage nichts ändern, wenn du einen Biogastarif wählst. Das Gas aus deiner Leitung bleibt physikalisch eine Mischung aus allem, was im Netz eingespeist wurde.

Die Zuordnung zu deinem Tarif erfolgt bilanziell: Der Lieferant verpflichtet sich, eine bestimmte Menge Biomethan ins Netz einzuspeisen oder einspeisen zu lassen, die dem vereinbarten Anteil an deinem Verbrauch entspricht. Wie viel Biomethan ein Tarif enthält, ist sehr unterschiedlich und reicht von kleinen Beimischungen bis zu vollständigen Biomethantarifen.

Entscheidend für die Klimawirkung ist außerdem, woraus das Biomethan erzeugt wird. Reststoffe wie Gülle oder Bioabfälle gelten in der Regel als vorteilhafter als eigens angebaute Energiepflanzen.

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Was Ökogas meist bedeutet

Viele als Ökogas oder klimaneutrales Gas beworbene Tarife enthalten überwiegend oder vollständig fossiles Erdgas. Die Klimaneutralität wird dadurch begründet, dass der Lieferant die bei der Verbrennung entstehenden Emissionen über Zertifikate aus Klimaschutzprojekten ausgleicht, etwa aus Aufforstung oder erneuerbaren Energien in anderen Ländern.

Diese Kompensation ist umstritten. Kritisiert wird unter anderem, dass die Qualität der Projekte stark schwankt und nicht immer sicher ist, ob die Einsparungen zusätzlich und dauerhaft sind. Außerdem ändert eine Kompensation nichts daran, dass beim Heizen fossiles Gas verbrannt wird.

Das bedeutet nicht, dass alle Kompensationstarife wertlos sind. Es zeigt aber, dass Begriffe wie öko oder klimaneutral allein wenig aussagen. Wichtig ist, ob der Tarif einen echten Biomethananteil enthält, wie hoch dieser ist und nach welchen Standards Kompensationsprojekte ausgewählt und geprüft werden.

Seit einiger Zeit stehen pauschale Klimaneutralitätsversprechen auch rechtlich verstärkt im Fokus. Seriöse Anbieter erläutern daher transparent, worauf ihre Angaben beruhen.

Biomethananteil schriftlich bestätigen lassen

Lass dir den Biomethananteil und die Herkunft der Einsatzstoffe vor Vertragsschluss schriftlich bestätigen. So kannst du die Angaben später überprüfen und bei einer neuen Gasheizung als Nachweis nutzen.

Kosten und Preisbestandteile

Biomethan ist in der Erzeugung in der Regel aufwendiger als fossiles Erdgas. Tarife mit hohem Biomethananteil sind deshalb häufig teurer als vergleichbare Erdgastarife. Wie groß der Unterschied ist, hängt vom Anteil, von der Herkunft des Biomethans und von der Preispolitik des Anbieters ab.

Die übrigen Preisbestandteile bleiben gleich: Netzentgelte, Messstellenbetrieb, Energiesteuer, Konzessionsabgabe und Umsatzsteuer fallen auch bei Biogastarifen an. Beim CO2-Preis nach dem BEHG können für nachhaltiges Biomethan unter bestimmten Nachweisvoraussetzungen Besonderheiten gelten. Ob und wie sich das in deinem Tarif niederschlägt, erfragst du am besten direkt beim Anbieter.

Kompensationstarife ohne Biomethan liegen preislich oft nahe an gewöhnlichen Erdgastarifen, weil die Kosten der Zertifikate vergleichsweise gering sein können. Hier zahlst du den vollen CO2-Preis für das fossile Gas.

Für einen fairen Vergleich solltest du daher nicht nur den Preis, sondern auch den Biomethananteil je Kilowattstunde und die Art des ökologischen Mehrwerts nebeneinanderstellen.

Woran du seriöse Angebote erkennst

Ein seriöser Biogastarif nennt klar den Anteil an Biomethan, zum Beispiel als Prozentsatz deines Verbrauchs. Er macht Angaben zur Herkunft, also zu den Einsatzstoffen und möglichst zu den Anlagen. Vage Formulierungen ohne Zahlen oder Herkunftsangaben solltest du kritisch sehen.

Unabhängige Gütesiegel können eine Orientierung bieten. Sie prüfen je nach Siegel etwa Herkunft und Einsatzstoffe des Biomethans, die Qualität von Kompensationsprojekten oder ob ein Teil der Einnahmen in den Ausbau erneuerbarer Energien fließt. Informiere dich, welche Kriterien hinter einem Siegel stehen, bevor du ihm vertraust.

Frag bei Unklarheiten schriftlich nach. Ein Anbieter, der transparent arbeitet, kann dir erklären, wie er den Biomethananteil bilanziell nachweist und welche Standards er bei der Kompensation anwendet.

Achte zusätzlich auf die üblichen Vertragsdetails: Laufzeit, Kündigungsfrist, Preisgarantie und Bonusbedingungen. Ein ökologischer Anspruch ersetzt keine fairen Vertragskonditionen.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist, ob der Anbieter regelmäßig über die eingesetzten Mengen und Projekte berichtet.

Biogastarif und Gebäudegesetz

Biomethan spielt im Gebäuderecht eine Rolle. Nach § 43 des Gebäudemodernisierungsgesetzes muss bei Gasheizungen, die nach Ende Juli 2026 in bestehende Gebäude neu eingebaut werden, ab 2029 ein stufenweise steigender Anteil der bereitgestellten Wärme aus Biomethan, Wasserstoff oder anderen dort genannten klimafreundlicheren Brennstoffen stammen.

Wer eine solche neue Gasheizung betreibt, kann die Pflicht unter anderem über einen entsprechenden Biomethantarif erfüllen. Dabei sind die im Gesetz genannten Anforderungen an Biomethan einzuhalten. Ein reiner Kompensationstarif ohne Biomethan erfüllt diese Anforderung nicht, weil es auf den tatsächlichen Brennstoff ankommt.

Für ältere, bereits bestehende Gasheizungen gilt diese Pflicht nach § 43 nicht in gleicher Weise. Trotzdem kann ein Biogastarif für dich interessant sein, wenn du die Klimawirkung deiner Heizung verringern willst, ohne die Anlage zu tauschen.

Lass dir bei einer neuen Heizung vom Fachbetrieb oder von einer unabhängigen Energieberatung erklären, welche Nachweise du für die Erfüllung der Pflicht benötigst.

Verbrauch bleibt der größte Hebel

Ein Biogastarif verändert die Herkunft deines Gases, nicht die Menge, die du verbrauchst. Jede Kilowattstunde, die du gar nicht erst benötigst, verursacht weder Kosten noch Emissionen. Deshalb ist es sinnvoll, einen Tarifwechsel mit Maßnahmen zum Energiesparen zu verbinden.

Dazu gehören eine passende Raumtemperatur, richtiges Lüften, eine gut eingestellte Heizung mit hydraulischem Abgleich und eine regelmäßig gewartete Therme. Auch Dämmmaßnahmen und neue Fenster senken den Wärmebedarf dauerhaft, sind aber mit größerem Aufwand verbunden.

Wer langfristig plant, sollte zudem prüfen, welche Heizungsoptionen für das eigene Gebäude in Frage kommen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz nennt eine Reihe von Optionen für den Heizungstausch, von Wärmepumpen über Wärmenetze bis zu Hybridanlagen. Eine unabhängige Energieberatung hilft bei der Einordnung.

Biogas kann also ein Baustein sein, ersetzt aber nicht den Blick auf Verbrauch und Gebäude.

Wer zuerst den Verbrauch senkt, braucht anschließend auch weniger des teureren Biomethans, um einen bestimmten Anteil abzudecken.

Biomethantarif und Kompensationstarif im Vergleich
Merkmal Biomethantarif Kompensationstarif
Herkunft des Gases Bilanziell erneuerbares Biomethan, Anteil je nach Tarif Überwiegend fossiles Erdgas
Ökologischer Mehrwert Ersatz fossilen Gases Ausgleich über Klimaschutzprojekte
Änderung an der Heizung nötig Nein Nein
Wichtigster Prüfpunkt Anteil und Einsatzstoffe Qualität und Prüfung der Projekte
Eignung für Biomethanpflicht nach § 43 GModG Möglich, wenn gesetzliche Anforderungen erfüllt Nein

Checkliste

  • Biomethananteil in Prozent erfragen
  • Einsatzstoffe und Herkunft prüfen
  • Bei Kompensation Projektstandards erfragen
  • Kriterien eines Gütesiegels nachlesen
  • Preis je Kilowattstunde mit Erdgastarifen vergleichen
  • Laufzeit und Preisgarantie prüfen
  • Bei neuer Gasheizung Nachweispflichten klären

Häufige Fragen

Kommt bei einem Biogastarif wirklich Biogas aus meiner Leitung?

Physikalisch erhältst du die Mischung aus dem Netz. Der Lieferant sorgt bilanziell dafür, dass die vereinbarte Menge Biomethan eingespeist wird. Dieses Prinzip ist bei Gas wie bei Strom üblich.

Muss ich meine Heizung für Biomethan umrüsten?

Nein. Biomethan wird auf Erdgasqualität aufbereitet und kann in normalen Gasgeräten genutzt werden.

Ist Ökogas dasselbe wie Biogas?

Nicht unbedingt. Viele Ökogastarife bestehen aus Erdgas mit Kompensation der Emissionen. Biogastarife enthalten dagegen einen Anteil an Biomethan. Der Tarif sollte klar angeben, was enthalten ist.

Ist ein Biogastarif immer teurer?

Tarife mit hohem Biomethananteil sind häufig teurer als Erdgastarife, weil die Erzeugung aufwendiger ist. Der konkrete Unterschied hängt von Anteil, Herkunft und Anbieter ab.

Fazit

Biomethantarife ersetzen bilanziell fossiles Gas, Kompensationstarife gleichen Emissionen nur aus. Prüfe Anteil, Herkunft und Standards genau und verbinde den Tarifwechsel mit Maßnahmen, die deinen Verbrauch senken.

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Quellen und Stand

Zuletzt geprüft: 2026-10-04

Recherche und Pflege: Redaktion Gas-Vergleichen.com.

Redaktion

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion Gas-Vergleichen.com recherchiert und geprüft. Wir belegen Rechtsfragen mit Fundstelle, nennen Zahlen nur mit Quelle und korrigieren Fehler sichtbar. Hinweise gern über Kontakt.